FSP bei der Fahrzeugidentifikation 

Aktenzeichen RS … gelöst!


Fälschungen gibt es nicht nur bei Kunstobjekten, sondern auch bei Autos. In der Oldtimer Szene sind vor allem alte, sportliche Autos begehrt und erzielen beim Verkauf mitunter Millionenpreise. Doch es finden sich auf dem Markt für die sogenannten Classic Cars nicht nur Originale. Professionelle Betriebe restaurieren heute Fahrzeuge bis zur Perfektion. Sie sind in der Lage, nahezu alle Teile samt Rahmen detailgetreu neu anzufertigen und sogar fast 100 Jahre alte Rennwagen komplett zu replizieren. Doch diese sind im Zweifelsfall nur ein Bruchteil des Preises wert, den ein Original kostet. Der Geschäftsbereich „Classic Competence“ der FSP Schaden- und Wertgutachterdienst GmbH ist die Abteilung die in der Lage ist Original und Fälschung voneinander zu unterscheiden.

Manche Veränderungen am Auto sind üblich und offensichtlich – zum Beispiel, wenn ein stärkerer Motor aus dem Topmodell in ein normales Standardfahrzeug eingebaut wird. Ändert man nun noch das Fahrwerk, montiert entsprechende Zierleisten und Applikationen sowie eine andere Innenausstattung, wird aus einem Golf CL – ganz plötzlich – ein auf dem Markt sehr gesuchter Golf GTI. Obwohl äußerlich identisch, sind die Fahrzeuge in der Wertigkeit jedoch völlig unterschiedlich, denn nur einer von beiden trägt die Identität des echten „GTI“.

Porsche 911 E, T oder RS?

Wirtschaftlich ergiebiger kann ein vergleichbarer Umbau beim sogenannten Porsche F-Modell aus dem Jahr 1973 werden, dessen wertvollste Variante heute der Porsche Carrera 2,7 RS ist. Tatsächlich lässt sich mit vergleichsweise geringen Mitteln aus einem Spenderfahrzeug vom Typ E oder T leicht ein „RS“ machen. Ein Exemplar in weniger gutem Zustand kostet etwa 100.000 €. Hinzu kommen der Umbau des Motors, Änderungen an der Karosserie und die Beschaffung von RS-typischen Details wie anderen Sitzen, Instrumenten, Fahrwerk, und so weiter. Für Spezialisten ist der Umbau ohne Probleme machbar, denn die Spezifika sind bekannt und alle erforderlichen Ersatzteile verfüg- oder reproduzierbar. An Kosten für den Umbau kämen circa 180.000 € zum Kaufpreis hinzu. Macht insgesamt 280.000 € – aktuell wird ein echter „RS“ auf dem Markt aber mit bis zu 1 Million Euro gehandelt. Doch Achtung! Dem umgebauten Fahrzeug fehlt die für den höheren Wert wesentliche Identität des Originals.

In der Szene hat sich deshalb der sogenannte „Identitätenhandel“ etabliert. Teile eines nachweisbar verschrotteten oder verschollenen Fahrzeuges werden wieder aufgefunden, im Bestfall natürlich gerade der Teil des Rahmens mit der eingeschlagenen Fahrgestellnummer. Am Beispiel des Porsche Carrera 2,7 RS kostet eine sogenannte „freie“ Identität aktuell um 100.000 €. Diese „freie“ Identität wird dann auf das Spenderfahrzeug übertragen, also neue Nummern mit „echter“ RS-Identität eingeschlagen und der Porsche verdoppelt seinen Wert innerhalb weniger Minuten.

Der wahren Identität auf der Spur

Kann die Historie nicht zweifelfrei über die Echtheit Aufschluss geben, kommen besondere Prüfmethoden ins Spiel: Geänderten Nummern, verursacht durch Ausschleifen und Überschlagen kann man mit einem Röntgenbild auf die Spur kommen. Durchstrahlungsverfahren helfen zudem bei der Suche nach untypischen Schweißnähten. Zum Auffinden von Dickenunterschieden kann die Ultraschalluntersuchung eingesetzt werden. Wurde nämlich z.B. die Fahrgestellnummer herausgeschliffen und neu eingeschlagen, weist das entsprechende Metallstück eine geringere Dicke als im Originalfahrzeug auf – wobei Datenbanken oder baugleiche, nachgewiesene Originale als Referenz dienen können. Die Ultraschallmessung eignet sich darüber hinaus zur Überprüfung der Korrektheit verschiedener Bauteile. Neben Wand- und Schichtdicken können auch Hohlräume ermittelt werden.

Grenzen finden Röntgen und Ultraschall, wenn im Zuge der Restaurierung großflächig Bleche und Rahmenteile ausgetauscht wurden. Rahmen und Chassis selbst können anhand ihrer Legierung und ihres Härtegrades Aufschluss über ihr Alter geben. Mit Prüfverfahren wie Härteprüfung oder Spektralanalyse kann FSP Kohlenstoff und andere Legierungsbestandteile in wenigen Sekunden identifizieren und analysieren. Alte Stähle sind allgemein weniger rein als neue. Insbesondere ein großer Kohlenstoffanteil sowie ein hoher Gehalt an Phosphor und Schwefel sind Indikatoren für altes Material. Diese Untersuchungsmethoden hat FSP unter anderem bei einem Alfa Romeo, Baujahr 1933, angewendet. An verschiedenen Teilen der Karosserie wurden Messungen durchgeführt, die die Echtheit des Fahrzeuges beweisen sollten., alle genannten Verfahren sind zerstörungsfrei.

Grenzen der Forensik

Doch forensische Untersuchungsmethoden wie diese haben Grenzen. Für FSP sind sie weitere Indikatoren für erfolgte Veränderungen und werden immer im Kontext der Historie des Fahrzeuges betrachtet. Die Restaurierung eines Autos bedingt häufig den großflächigen Austausch maroder Teile und die damit einhergehende systembedingte, massive Verfälschung der Grundsubstanz. Man wird mit einer Spektralanalyse in einem solchen Fall neues Material feststellen, auch wenn es sich um ein Auto mit eindeutig zugeordneter und ununterbrochener Identität handelt. Wichtig ist daher eine genaue Dokumentation der Restaurierungsarbeiten, damit später keine kritischen Fragen zur Identität aufkommen. Der von FSP untersuchte Porsche Carrera 2,7 RS erwies sich übrigens als durch und durch echt – zur großen Freude des Besitzers, der jetzt den Wert und Identität des Oldtimers mit dem Gutachten von FSP nachweisen kann.

 

Das Röntgenbild macht die überlackierte Fahrzeug-Identnummer sichtbar und zeigt keine verdächtigen Schweißnähte.

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Funkenspektrometer kann unter anderem Kohlen- stoff nachgewiesen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Härteprüfung, ebenfalls zur Altersbestimmung.

 

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