Abenteuer Los Angeles 

Beim Fliegen verlasse ich mich auf deutsche Gründlichkeit, speziell auch was die Sicherheitsstandards betrifft. Da kommt für mich logischerweise keine andere Fluggesellschaft infrage als die Lufthansa. So auch bei meinem Flug von Frankfurt am Main nach Los Angeles – ich wollte ja zu meinem Vortrag im Petersen Museum und zur Feier des 60. Geburtstags von Ferrari am Rodeo Drive pünktlich erscheinen. Kein Wunder also, dass ich mit großer Vorfreude und bester Laune den Jumbo Boeing 747-8 der Lufthansa bestieg. Die Laune allerdings wurde schon ein paar Minuten nach dem Boarding nachhaltig getrübt.


Der Service in der Business Class war nicht, wie eigentlich gewohnt, perfekt. Nein, er war definitiv gegenteiliger Natur. Mir beispielsweise wurden drei Sorten Käse gereicht, von denen kein einziger auch nur annähernd genießbar war. Mir blieb daher nichts anderes übrig, als meinen Hunger an dem, sagen wir’s mal versöhnlich, relativ geschmacksneutralen, gummiartigen Laugenbrötchen mit vereinzelten Salzflecken zu stillen.
Pfui Teufel, dafür sollte man den Food & Beverage Manager der Lufthansa feuern oder dazu verdonnern, vier Wochen lang ausnahmslos die angebotenen Peinlichkeiten zu verspeisen. Ich mache jede Wette, das Snackangebot würde schlagartig eliminiert und in kleine, feine Köstlichkeiten, eingetauscht – ganz so eben, wie es das sonstige Auftreten der Lufthansa verspricht.
Trotzdem, die 10 Stunden nach Los Angeles vergingen, dank des freundlichen, immer aufmerksamen Bordpersonals, „wie im Flug“ und wir landeten weich und pünktlich in LA, diesmal also genauso, wie man es von der Lufthansa erwartet…

Dann allerdings trübte sich meine Stimmung erneut ein. An der Immigration Box angekommen, wartete ich geschlagene zwei Stunden. Dann endlich war ich an der Reihe, um die mürrisch gestellten Fragen eines dekorativ uniformierten Officers zu beantworten. Um eingelassen zu werden – ins Land of the Free…

Ich checkte ein im Beverly Wilshire, eine veritable Luxusherberge, in dem nicht nur die gehobene Prominenz wie Elvis Presley, Tom Hanks, Bruce Willis, Elisabeth Taylor und viele, viele andere mehr verkehren beziehungsweise verkehrten, sondern in dem, auch wegen seiner beeindruckenden Eingangshalle, der Blockbuster „Pretty Woman“ gedreht wurde.
Das war für mich allerdings nicht der Buchungsgrund. Ich hatte mich wegen der nur acht Gehminuten entschieden, die man braucht, um vom Beverly Wilshire zum Petersen Museum zu kommen – ein einzigartig attraktives, imposantes Bauwerk, das im nächsten Jahr von keinem Geringeren als dem weltbekannten Architekten Salvatore Mandrá renoviert werden soll.
Das beeindruckende Gebäude hat allerdings wesentlich mehr zu bieten als eine ansehnliche Hülle. Zumindest für Automobilenthusiasten ist das Petersen ein wahres Heiligtum. Was sich hier an großen, kleinen, skurrilen, eleganten, sportlichen, rassigen, komfortablen, luxuriösen, spartanischen, futuristischen Automobilpretiosen, fein, liebevoll und repräsentativ herausgeputzt und platziert hat, ist definitiv „breathtaking“.

Ich saß zum Beispiel in dem in unwirklichem Schwarz schimmernden Batmobil aus dem Jahr 1989. Ich streichelte die bullige „Indian“, mit der Steve McQueen durch den Reißer „Gesprengte Ketten“ donnerte. Ich verschlang den hellblauen Ferrari 365 GTB/4, mit dem Dan Gurney und Brook Yates das erste Cannonball Race von New York nach Los Angeles gewonnen hatten, mit den Augen. Kurz, ich verliebte mich in Fahrzeuge, von denen ich bisher nur geträumt hatte. Und um es für Sie auf den Punkt zu bringen: das Petersen ist ein Paradies für alle, die auch nur einen Tropfen Benzin im Blut haben.

Hier also sollte ich am nächsten Abend, gemeinsam mit meinem Freund Jean Claude Biver, Luxusuhren Papst und Chef von HUBLOT, auftreten – welch‘ eine Ehre! Wir sollten bei dem geladenen Publikum mit teils informativen, teils humorvollen Erlebnisberichten aus unser beider Praxis für Interesse, Kurzweil und Freude sorgen – ein angenehmer Job.

Was soll ich sagen, die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Obwohl wir uns pro Gast mit stolzen 50 Dollar entlohnen ließen, war der Saal proppenvoll und mit 191 hochkarätigen Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt. 200 weitere Gäste mussten dagegen mit einem Platz auf der Warteliste vorliebnehmen – schade.
Die Veranstaltung begann mit einem kleinen, aber sehr feinen, von HUBLOT gesponserten Empfangsbuffet. Für den dabei kredenzten Champagner – ein gut gekühlter, prickelnder „Veuve Cliquot“ – sorgte kein Geringerer als der Luxuskonzern LVMH.

Der Abend wollte aber auch nach dem Ende unseres Auftritts und dem anschließenden, donnernden Applaus nicht enden, denn beim Abschied entdeckte ich freudig einige mir sehr bekannte Gesichter und es begann eine beispiellose Begrüßungsorgie.
Unter vielen anderen drückte ich meinem alten Freund Piero Ferrari die Hand. Dessen Sohn hatte die typische Nase des Enzo Ferrari geerbt und auch oft eine Sonnenbrille auf – womit er dann endgültig aussah wie der verstorbene Commendatore.
Dann winkte mir der Blondschopf Stefan Johannson, Formel 1 Pilot der achtziger Jahre für Ferrari und McLaren, fröhlich zu – er hat sich seine Jugendlichkeit und seine erfrischende Art offensichtlich bis heute bewahrt. Ich jedenfalls hatte ihn 20 Jahre nicht mehr gesehen und konnte kaum einen Unterschied zu seinem früheren Auftreten erkennen.

Am nächsten Tag zog ich um, vom Beverly Wilshire ins Hotel Luxe am Wilshire Boulevard, genau gegenüber dem Rodeo Drive. Kenner nennen die Lage „Golden Triangle“.
Genau hier sollte am nächsten Tag die Geburtstags-Party, 60 Jahre Ferrari, zelebriert werden. Die Parkplätze rund um das Hotel waren wegen der Veranstaltung am nächsten Tag schon weitläufig zu einem Park Fermé gesperrt.
Unruhig vor freudiger Erregung verbrachte ich eine nur kurze Nacht. Schon um 6 Uhr morgens war ich wieder auf den Beinen und ging zum Fenster, um nach dem Rechten zu schauen. Plötzlicher Atemstillstand – nur wenige Meter von meinem Fenster entfernt, hatten sich 3 Schönheiten im Wert einer dreistelligen Millionensumme aufgebaut. Ein Ferrari GTO Serie 1, ein Ferrari GTO Serie 2 und ein Ferrari P4.

Aber das war’s noch nicht. Noch lange nicht.

Die Polizei hatte den Rodeo Drive wegen des Ferrari Festes für den normalen Verkehr gesperrt. Nur automobile Kostbarkeiten mit „besonderer Abstammung“ durften sich im Park Fermé vor dem Hotel aufstellen – und es wurden immer mehr. Die Eigentümer kamen mit ihren Pretiosen unter dem höllischem Lärm der Aggregate, aber ganz brav und einer nach dem anderen, vor das Hotel gefahren und stellten sie dort dem staunenden Publikum, blitzblank gewienert, zur Schau. Um 11 Uhr jedenfalls ging es auf dem Gelände des Rodeo Drive wie auf einem gut besuchten Rummelplatz zu. Da sage noch einer, die Amerikaner verstünden nichts von Autos….

Aber mal weg von den Autos und näher an’s Publikum. Ich weiß nicht, ob Sie sich an das Bild erinnern, als sich Angelika Merkel und der geniale Fiat Boss Sergio Marcchione (Mann mit zwei Gehirnen) in Berlin trafen, ganz offiziell, versteht sich.
Sie, wie eigentlich immer, in einem für ihre Figur vorteilhaften, aber sonst nicht weiter bemerkenswerten, konventionellen Jacke/Hose-Mix. Er, nicht wie bei Staatsbesuchen üblich, im einheitsgrauen Anzug, sondern in einem sündhaft teuren (das konnte man sehen) aber lässigen, feinen Cashmere Pulli. Einen ähnlich schicken, dunkelblauen Cashmere Pulli hatte er auch an, als ich ihn jetzt vor dem Luxe entdeckte. Super, einfach super. Das nenne ich italienisches Stilgefühl.
Mit der Hose allerdings beleidigte er den Geschmack seiner Landsleute aufs Ärgste. Sie schlabberte wie alte Haut um seine Beine und hing kurz vor seinen Kniekehlen. Nein, das war nichts. Unmöglich, so kann man bei einer Ferrari Geburtstagsfeier nicht auftreten, basta.

Sorry, Sergio, aber da lobe ich mir doch den ehemaligen Rennleiter des Michelin Formel 1 Teams, Pierre Dupasquire, der mich und einige andere während eines Formel 1 Rennens durch seinen genauso unkonventionellen wie eleganten Auftritt zum Staunen und zum Bewundern brachte. Ich traf ihn vor etwa 20 Jahren in der Boxengasse. Er trug einen megaschicken, perfekt sitzenden, schwarzen „Mao“ Anzug, der das Tragen einer Krawatte, wegen des Stehbündchens am Hals, unnötig machte.

Schwamm drüber, Sergio Marcchione ist ganz zweifellos einer der angesehensten Automobilmanager dieser Welt. Und wenn er seinen Job auch weiterhin so sensationell erfolgreich erledigt, seien ihm gewisse Ungereimtheiten im Auftritt gerne verziehen.

Nichts für ungut also, bye bye und bis zum nächsten Mal,

Ihr Armin Johl

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