Alfa Romeo Giulietta Spider Prototyp aus dem Museum zu Gast 

Star unter den Ausstellungsfahrzeugen, die Alfa Romeo beim Klassikstadt-Sonntagstreff im Juli präsentiert, ist ein Vorserien-Prototyp des Giulietta Spider aus dem werkseigenen Museo Storico im Mailänder Vorort Arese.


Die Cabriolet-Variante des Alfa Romeo Giulietta, in Italien traditionell Spider genannt, entstand auf speziellen Wunsch des USA-Importeurs Max Hoffman. Um den Auftrag bewarben sich die beiden renommierten Designstudios Bertone und Pininfarina. Den Zuschlag erhielt schließlich Pininfarina, der sich mit insgesamt drei Prototypen am Wettbewerb beteiligte. Das in der Klassikstadt ausgestellte Modell weist einige Details auf, die bis zur Serienfertigung geändert wurden. So ist die Windschutzscheibe stark gebogen, die seitlichen Fenster werden nur eingesteckt, der Schalthebel ist noch am Lenkrad. Dem Prototypen zur Seite steht zum Vergleich ein serienmäßiger Giulietta Spider im Originalzustand.

Das Coupé Giulietta Sprint repräsentieren eine Serienversion sowie ein Rennwagen in besonders seltener Variante Veloce. Die zweitürige, stromlinienförmige Karosserie wurde maßgeblich von Franco Scaglione vom Designstudio Bertone entworfen, der zuvor mit den spektakulären B.A.T.-Mobilen für Furore gesorgt hatte. Bertone fertigte auch die Karosserien, die anschließend zur Endmontage des fertigen Fahrzeugs ins Alfa Romeo Werk in Arese geliefert wurden. Geplant war eine Jahresproduktion von 1.000 Stück. Doch schon während der Präsentation auf dem Turiner Autosalon gingen rund 3.000 Bestellungen ein. Mehr als 24.000 Exemplare wurden schließlich bis 1962 in zwei Serien gebaut.

Als Vertreter der zweiten Baureihe aus den späten 1970er Jahren ergänzt ein Alfa Romeo Giulietta Turbodelta die Präsentation zum 60. Geburtstag. Dieses Modell war als Basis für einen Renntourenwagen entwickelt worden. Die Ingenieure des hauseigenen Rennteams Autodelta passten dazu einen Turbolader an den bewährten Zweiliter-Vierzylinder an. Die Leistung stieg dadurch um rund 40 auf 170 PS. Nur 361 Serienexemplare des Alfa Romeo Giulietta Turbodelta wurden schließlich produziert.

Alfa Romeo Giulietta – kurze Geschichte eines legendären Automobils

Mit dem Modell Giulietta entwickelte sich die bis dahin ausschließlich Luxusfahrzeuge und Rennwagen bauende Marke Alfa Romeo Mitte der 1950er Jahre endgültig zum Großserienhersteller. Den Startschuss für die „kleine Giulia“ gab 1954 die von Bertone entworfene Variante Sprint, bei Alfa Romeo die traditionelle Bezeichnung für Coupés. Der Motor des 2+2-Sitzers verkörperte feinste Renntechnik im Kleinformat. Block und Zylinderkopf waren aus Leichtmetall gefertigt, zwei obenliegende Nockenwellen betätigten die Ventile. Aus einem Hubraum von nur 1.300 Kubikzentimetern produzierte der Vierzylinder lebhafte 65 PS.

Es folgte die Limousine (ab 1955, in Kleinserie auch als Kombi). Zum ersten Mal verband die Marke hier die Vorteile einer fünfsitzigen Familien-Limousine mit einem Sportmotor. Damit gilt der Alfa Romeo Giulietta heute als Urahn einer ganzen Fahrzeug-Kategorie – viertürige, fünfsitzige Limousinen mit sportlichen Fahrleistungen waren bis dahin praktisch unbekannt. Den Schlusspunkt unter die erste Ära des Alfa Romeo Giulietta setzte der von Pininfarina gezeichnete Spider, der als eines der schönsten Cabriolets aller Zeiten gilt.

1977 feierte die Modellbezeichnung Giulietta ein Comeback. Jetzt gab es allerdings ausschließlich die viertürige Stufenheck-Limousine mit der charakteristischen Abrisskante auf der Kofferraumhaube.

Auch heute, 60 Jahre nach der Präsentation des ersten Alfa Romeo Giulietta, bietet die italienische Marke ein Modell mit diesem Namen an. Die leistungsstärkste Version stellt 176 (240 PS) zur Verfügung und trägt den Namenszusatz Quadrifoglio Verde. Das vierblättrige Kleeblatt erinnert an den ersten Sieg im Motorsport von Alfa Romeo, 1923 beim Langstrecken-Straßenrennen Targa Florio auf Sizilien. Fortan prangte das Quadrifoglio Verde auf allen Rennwagen von Alfa Romeo, darunter auch auf den Formel-1-Weltmeistern von 1950 (mit Pilot Nino Farina) und 1951 (mit Juan-Manuel Fangio).